Resümee meiner Therapie

Weswegen begann ich die Therapie?

 

Im Juni 2014 wurde bei mir eine mittelstarke Depression festgestellt. Begleitet wurde die Krankheit von Antriebslosigkeit, Trauer, Rückzug von Freunden und Familie, Vermeidung von sozialen Events und starken Stimmungsschwankungen.

 

Der Grund für die Depression war eine extreme Überforderung (Uni, Nebenjob, Freunde, Auszug von meinen Eltern), mein neuer Lebensabschnitt und fehlende Fürsorge in jungen Jahren, weswegen ich verlernt hatte, auf mich acht zu geben (aber das wusste ich anfangs noch nicht).

 

Am Anfang der Therapie konnte ich meine Gefühle nicht einordnen, wusste nicht, was mir gut tut und musste erstmal lernen, Dinge für mich zu tun.

 

Besonders hat mir am Anfang eine Listen mit "Aktivitäten für mich" geholfen. Jeden Trag habe ich mich für etwas Neues entschieden und mittlerweile muss ich mich gar nicht mehr daran erinnern.

Außerdem habe ich mir selbst, mittels einer App, beigebracht fürsorglich mit mir selbst zu sein. So habe ich gelernt, zu spüren, wenn ich Durst habe oder wenn die Position auf dem Stuhl unbequem ist.

 

Während der Therapie entdeckten Frau Fischer-Klepsch und ich noch ganz andere Probleme. Durch den Rückzug während der Depression entwickelte ich soziale Ängste. Diese hielten von all meinen Problemen am längsten an. Da ich mir die "sonnige Sarah" angewöhnt habe, die Sarah, die immer strahlen muss, immer alle Menschen zufrieden stellen möchte, blieb ich bei Parties meistens zu hause, sobald ich nicht die perfekte Laune hatte. Mittlerweile weiß ich, das ich nicht immer strahlen muss, sondern auch mal unsicher sein kann oder nicht in jedem Gespräch teilzunehmen.

 

Wichtig am Anfang der Therapie war der Wochenplan. Dort schrieb ich jeden Tag auf, wie mein Tag verlief. Wichtig hierbei waren die Kategorien: Stärke der Depression, Bewegung, Gefühle und Positives.

Dieser Plan hat mich dazu gezwungen, mir jeden Abend Gedanken über den Tag zu machen und mich angespornt, einige Dinge am nächsten Tag anders zu machen (nach dem Motto: mach jeden Tag etwas, auf das Du am nächsten Tag stolz sein kannst).

 

Für die Zukunft nehme ich mir den Schritt vor, jeden Abend kurz darüber nachzudenken, was ich hätte besser machen können und was gut verlief, beizubehalten. So kann ich mich einfacher motivieren, morgen zum Sport zu gehen oder mal entspannter mit meinen Mitmenschen umzugehen.

Außerdem ist es für mich wichtig, mir meine Erfolge immer wieder aufzuzählen.

 

Sport

Jeden Morgen, wenn ich auf dem Fahrrad fahre, bin ich unglaublich stolz, wenn ich bedenke, dass ich vor ein paar Monaten noch so tierische Angst davor hatte Fahrrad zu fahren.

 

Außerdem möchte ich mir es zur Regel machen, jede Woche zwei mal ins Fitness Studio zu gehen. Für eine Zeit hat das sehr gut funktioniert. Jetzt mit der regelmäßigen Arbeit ist das nicht mehr so leicht.

 

Soziale Ängste

Vor ein paar Monaten habe ich so doll geweint, weil ich Angst hatte, auf  eine Party zu gehen. Ich habe mich immer mehr in diese Angst reingesteigert, und mir alle Horrorszenarien ausgemalt.

Mittlerweile, auch wenn ich manchmal noch kurze Bedenken habe, Rappel ich mich auf und gehe mit einem guten Gefühl auf die Party. Dieser Schritt ermöglicht es mir vielleicht irgendwann ohne zu zögern auf Events zu gehen auch wenn ich dort kaum jemanden kenne.

 

Alltag

Der Schritt zwischen meinem Gastronomiejob und meinem jetzigen Ausbildungsberuf ist eine große Veränderung, mit der ich noch nicht ganz zufrieden bin. Ich bin nach der Arbeit teilweise so müde, dass ich außer koch und ins Bett gehen nichts zustande kriege. Ich bin unfassbar froh, endlich eine Ausbildung gefunden zu haben und gehe in dem Beruf total auf, aber meine after work Routine ist noch nicht zufriedenstellend.

 

Worauf sollte ich weiterhin achten?

Wichtig ist, dass ich merke, wenn ich mich überfordere. Das gleiche ich dann mit etwas Zeit für mich aus. Dann gehe ich entspannt mit einer Freundin einen Kaffee trinken oder leg mich in die Badewanne.

 

Ich bin sehr stolz auf den Weg, den ich gegangen bin, auf die Veränderungen in meinem Leben, darauf, dass ich wieder herzlich lachen kann, so wie vor 2 Jahren.